Feuerwehren in Sülfeld und Tönningstedt
Zwischen notwendiger Modernisierung und finanzieller Verantwortung
Wenn nachts die Sirene ertönt, verlassen Frauen und Männer ihre Familien, ihre Betten oder ihre Arbeitsplätze und fahren zum Feuerwehrhaus. Niemand fragt dann nach Parteigrenzen oder Haushaltszahlen. Entscheidend ist, dass die Feuerwehr schnell, sicher und professionell helfen kann.
Genau deshalb beschäftigt sich die Gemeinde Sülfeld seit vielen Jahren mit der Zukunft ihrer Feuerwehrhäuser.
Doch neben der Sicherheit geht es inzwischen auch um eine zweite Frage:
Wie viel Feuerwehr kann sich eine kleine Gemeinde langfristig leisten – und wie können notwendige Investitionen wirtschaftlich und nachhaltig umgesetzt werden?
Vom Mangel zur Millioneninvestition
Bereits im Jahr 2011 wurden an den Feuerwehrhäusern in Sülfeld und Tönningstedt Mängel fest-gestellt. Über viele Jahre wurden diese Themen jedoch nicht grundlegend gelöst.

Feuerwehr Tönningstedt – in dieser „Umkleidekabine“ müssen sich im Einsatzfall bestenfalls acht Kameradinnen und Kameraden gleichzeitig umziehen.
Erst im Rahmen der Ortskernentwicklung rückten die Feuerwehrstandorte als Schlüsselprojekte der Gemeinde stärker in den Fokus. Feuerwehr, Verwaltung und Politik beschäftigten sich daraufhin mit unterschiedlichen Lösungsansätzen – von Erweiterungen bestehender Gebäude bis hin zu Neubauten.
Für den Standort Tönningstedt wurde eine Erweiterung des bestehenden Feuerwehrhauses entwickelt. Für Sülfeld entwickelte sich die Planung zunehmend in Richtung eines Neubaus am bisherigen Standort.
In der jüngsten Gemeindevertretersitzung wurde nun die europaweite Ausschreibung von Planungsleistungen beschlossen. Die Gemeinde möchte Varianten in Massiv- und Leichtbauweise untersuchen lassen. Die Planer sollen Vorentwürfe erstellen, Kosten schätzen sowie Vor- und Nachteile der jeweiligen Bauweisen darstellen.
Die A.B.S. begrüßt ausdrücklich, dass zunächst weitere Planungsleistungen ausgeschrieben werden. Gerade bei Investitionen dieser Größenordnung müssen Entscheidungen auf einer belastbaren Grundlage getroffen werden.
Das Projekt auf einen Blick
Feuerwehr Sülfeld
🚒 Abriss und Neubau am bisherigen Standort vorgesehen
💰 Aktuelle Kostenschätzung: ca. 3,5 Mio. €
🎁 Fördermittel Land: 600.000 €
🎁 Fördermittel Kreis: 50.000 €
🏦 Voraussichtlicher Eigenanteil: ca. 2,86 Mio. €
📉 Restbuchwert des bestehenden Gebäudes: ca. 160.000 €
Feuerwehr Tönningstedt
🚒 Erweiterung des bestehenden Standortes
💰 Aktuelle Kostenschätzung: ca. 508.000 €
🎁 Fördermittel Kreis: 50.000 €
🏦 Voraussichtlicher Eigenanteil: ca. 458.000 €
👨🚒 Eigenleistung der Feuerwehr Tönningstedt: ca. 67.000 €
Finanzierung der Feuerwehrbauten (ohne Einsatz des Sondervermögens)
🔁🏦 Zinsen: 132.600 €/Jahr
🔁🏦 Tilgung: 110.500 €/Jahr
🔁🏦 Gesamt: 243.100 €/Jahr
Die große Frage: Was kostet das Projekt wirklich?
Die bisher genannten Baukosten bilden nach Auffassung der A.B.S. noch nicht die vollständigen Projektkosten ab.
Noch nicht abschließend dargestellt sind beispielsweise:
❓ Interimslösungen während der Bauzeit
❓ Unterbringung von Fahrzeugen und Einsatzkräften
❓ Umzugskosten
❓ zusätzliche Ausstattungen
❓ Betriebskosten
❓ Instandhaltungskosten
❓ mögliche Baukostensteigerungen
Die Erfahrungen vieler Kommunen zeigen leider, dass insbesondere Feuerwehrprojekte im Laufe der Planung häufig teurer werden. Neue Sicherheitsanforderungen, Preissteigerungen oder zusätzliche Ausstattungswünsche führen oftmals zu weiteren Kosten.
Deshalb sollte die Gemeindevertretung möglichst frühzeitig eine vollständige Übersicht über die zu erwartenden Gesamt- und Folgekosten erhalten.
💰 Einmalige Bundesmittel sind keine Dauerlösung
Zusätzlich erhält die Gemeinde Sülfeld aus dem Sondervermögen des Bundes für Investitionen einen Betrag von insgesamt 1.472.938,84 Euro.
Diese Mittel eröffnen der Gemeinde neue Handlungsmöglichkeiten und können grundsätzlich auch bei den Feuerwehrprojekten eine wichtige Rolle spielen.
Die A.B.S. weist jedoch darauf hin, dass es sich hierbei um einmalige Investitionsmittel handelt.
Gleichzeitig stehen in den kommenden Jahren weitere wichtige Aufgaben und Investitionen an, darunter:
- kommunale Infrastruktur,
- Straßen und Wege,
- Energie- und Wärmeprojekte,
- gemeindliche Gebäude,
- weitere Pflichtaufgaben der Gemeinde.
Deshalb sollte sorgfältig geprüft werden, wie diese Mittel strategisch und ausgewogen eingesetzt werden können.
Die entscheidende Frage lautet nicht:
„Wie können wir möglichst viel Geld für ein einzelnes Projekt einsetzen?“
sondern:
„Wie erzielen wir mit den verfügbaren Mitteln den größten langfristigen Nutzen für die gesamte Gemeinde?“
Nachhaltigkeit bedeutet mehr als eine neue Heizung
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Nachhaltigkeit.
Im bestehenden Feuerwehrgebäude steckt bereits ein erheblicher materieller Wert. Nach den derzeit bekannten Zahlen müssten bei einem Abriss Restbuchwerte von rund 160.000 Euro außerplanmäßig abgeschrieben werden.
Darüber hinaus geht bei einem Abriss die sogenannte „graue Energie“ verloren – also die Energie und Ressourcen, die bereits in Beton, Stahl, Mauerwerk und Bauleistungen investiert wurden.
Die Gemeindevertretung hat bereits 2025 beschlossen, zukünftige kommunale Bauvorhaben grundsätzlich nach den Kriterien nachhaltigen Bauens zu bewerten.
Deshalb sollte auch bei den Feuerwehrprojekten geprüft werden:
- welche nachhaltigen Bauweisen möglich sind,
- welche Förderprogramme genutzt werden können,
- welche Lebenszykluskosten entstehen,
- und welche CO₂-Einsparungen erreichbar sind.
Nachhaltigkeit bedeutet dabei nicht automatisch höhere Kosten. Studien zeigen, dass nachhaltige Gebäude zwar in der Erstellung etwas teurer sein können, sich die Mehrkosten jedoch durch niedrigere Energie-, Wartungs- und Betriebskosten häufig innerhalb von 15 bis 20 Jahren amortisieren.
Die Feuerwehr gehört an den Planungstisch
Niemand kennt die Anforderungen des Einsatzdienstes besser als die Feuerwehrkameradinnen und Feuerwehrkameraden selbst.
Deshalb sollten sie auch weiterhin eng in die Planung eingebunden bleiben.
Gleichzeitig sollte offen diskutiert werden, welche Anforderungen unverzichtbar sind und welche Wünsche möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt umgesetzt werden können. Eine moderne Feuerwehr benötigt sichere und zeitgemäße Arbeitsbedingungen. Auch bei kommunalen Bauvorhaben gilt jedoch der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit: Nicht jede technisch mögliche Lösung ist automatisch die beste Lösung.
Unser Fazit
Die Gemeinde wird in den kommenden Jahren mehrere Millionen Euro in ihre Feuerwehren investieren.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:
„Ob investiert werden soll.“
Sondern:
„Wie Sicherheit, Nachhaltigkeit und finanzielle Verantwortung miteinander verbunden werden können.“
Die A.B.S. unterstützt leistungsfähige Feuerwehren ausdrücklich. Gleichzeitig erwarten wir transparente Entscheidungen auf Grundlage vollständiger Kosten-, Förder- und Nachhaltigkeitsbetrachtungen. Denn die Auswirkungen dieser Entscheidungen werden die Gemeinde und ihre Bürgerinnen und Bürger über Jahrzehnte begleiten.
Autor: Reinhard Grauting


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